Bier in Prag – eine lange Tradition
April 25, 2016 | in: Blog

Die Bier-Kultur in Prag: Europaweit einmalig

Jeder von uns Deutschen trinkt laut Statistik jedes Jahr 107 Liter Bier – da macht uns natürlich keiner was vor, nicht wahr? Weit gefehlt! Es gibt ein Land in Europa, in dem Hopfen und Malz noch viel beliebter sind und bei dem wir mit Fug und Recht anerkennen müssen, dass Bier ein wahres Nationalgetränk ist: Tschechien.

Ganze 144 (!) Liter kippt jeder Tscheche im Schnitt jährlich in sich rein. Und selbst wenn wir die Touristen abziehen, die – wie zum Beispiel all die Junggesellenabschied-Gruppen in Prag aus Deutschland – ja vor allem auch wegen des leckeren Gerstensaftes nach Prag und in die anderen schönen Städte kommen und somit die Statistik ein wenig verfälschen, dann ist und bleibt Tschechien dennoch Europas Bierland Nummer 1.

Das ist also Grund genug für uns, sich mal etwas genauer mit der tschechischen Bierkultur zu beschäftigen.

Auch beim Junggesellenabschied gehört das Bier in Prag mit dazu

Bier in Tschechien

Zwar bestehen unter Kennern berechtigte Zweifel, dass tschechisches Bier zum Besten gehört, was die Welt zu bieten hat, doch steht außer Frage, dass einige Biersorten international bekannt und erfolgreich sind.

Vom Pilsener Urquell, das als erstes Pils der Welt gilt und seit 1842 gebraut wird, habt ihr mit Sicherheit schon gehört.

Weltbekannt ist auch Budvar aus der Stadt Budweis. Und in der Hauptstadt Prag wird die Brautradition sowieso hochgehalten – nicht nur in der südlich der berühmten Karlsbrücke gelegenen Staropramen-Brauerei, die zugleich die größte der zahlreichen Brauereien in der Stadt ist, sondern auch in den unzähligen, auf rund 1300 geschätzten Bierlokalen in Prag, in denen jeden Tag Tausende und Abertausende Liter Gerstensaft ausgeschenkt werden.

Wer da kein passendes Getränk findet, dem können wir auch nicht mehr helfen.

Zahlreiche Biere finden sich in Tschechien

Lecker und nicht teuer: Bier gehört zu Prag einfach dazu

Nicht extra betonen müssen wir an dieser Stelle sicher, dass der herzhafte Biergenuss in Tschechien gerade auch im Vergleich zu vielen westeuropäischen Ländern ein überaus erschwinglicher Spaß ist – was wohl einer der Hauptgründe dafür sein dürfte, dass allein von den ausländischen Gästen alljährlich 200 Millionen Liter Bier in Tschechien verköstigt werden.

Selbst in vielen Kneipen gibt es den halben Liter für einen Euro oder weniger, vor allem außerhalb der Hauptstadt lässt sich der Gerstensaft daher wie Wasser trinken.

In Supermärkten stehen 0,5-Liter-Dosen oder -Flaschen für häufig weniger als 50 Cent herum. Nicht für umsonst gehört tschechisches Bier bei Touristen zu einem der beliebtesten Souvenirs, das – entsprechendes Freigepäck vorausgesetzt – von so manchem Gast literweise exportiert wird.

Für das Erwachen einer lebendigen Bier-Kultur in Prag sind die niedrigen Preise alles anderes als abträglich. Wird in südeuropäischen Ländern bereits mittags wie selbstverständlich Wein zum Essen serviert, so gilt gleiches in Prag für Bier.

Bei den verschiedenen Sorten bleibt kein Wunsch offen

Zum deftigen Essen, das durch Knödel, Kraut und vor allem viel Fleisch gekennzeichnet ist, passt ein auf frische zehn Grad heruntergekühltes Pils besonders gut.

In den Kneipen und Bars sind die Bierkarten deshalb so lang wie andernorts die Cocktaillisten, die zahlreichen gemütlichen und zum Teil schon uralten Bierstuben bestimmen das Stadtbild.

So gehört etwa das „U Fleku“ (dt.: Zum Fleck) zu den Urgesteinen, das Einheimischen wie Touristen gleichermaßen ein Begriff ist.

Lange Holztafeln, wunderbare Bögen und ein Ambiente wie in einer klösterlichen Kneipe vor 200 Jahren prägen das Traditionsrestaurant, zu dessen Spezialitäten ein selbst gebrautes Schwarzbier zählt, das es nirgendwo anders in der Stadt gibt und von dem das „U Fleku“ nach eigenen Angaben jeden Tag 2000 Gläser ausschenkt.

Klein, aber fein: Mikrobrauereien schießen wie die „Pilse“ aus dem Boden

Allein im historischen Zentrum von Prag gibt es so viele Bierbars und Bierotheken, dass es mühselig wäre, sie alle aufzählen zu wollen.

Mehr als 40 einheimische Flaschenbiere bietet zum Beispiel das „Pivkupectvi”, das ein Teil des urigen Restaurants „Zly Casy“ (dt.: Böse Zeiten) ist. Aus einer Pipeline mit 48 Zapfhähnen werden hier zahlreiche Biere kleiner und mittelgroßer Brauereien gezapft.

Unter Einheimischen sehr beliebt und stets gut besucht ist das Bierlokal „Pivo a Parek“ (dt.: Bier und Frankfurter). Hier werden Fass- und Flaschenbieren ausgegeben sowie Räucherwaren aus Delikatessengeschäften angeboten.

Neben den mannigfaltigen Kneipen und Bierstuben schießen darüber hinaus auch immer mehr Lokale aus dem Boden, die ihr Bier selbst herstellen.

Mikro-Brauerei brauen ihr Bier nach ganz eigenen Vorstellungen

Die Zahl der sogenannten Mikrobrauereien pendelt dabei aktuell irgendwo zwischen zwei und drei Dutzend – so ganz genau wissen das selbst die Prager nicht. Laut dem offiziellen Tourismusportal der Stadt Prag dürfte die Zahl der kleinen Brauereien bei rund 25 liegen.

Darunter finden sich neben Klosterbrauereien etwa auch Gaststätten, deren Inhaber sich die Kunst des Brauens selbst beigebracht haben und nun ihre ganz persönlichen Kreationen feilbieten.

Dass diese sich nicht immer nur an althergebrachten Traditionen orientieren und sich auch auf den Zutatenlisten so manche moderne Nuance befindet, ist dabei gewollt und bei der Bierdichte in Prag auch durchaus nachvollziehbar – schließlich muss sich die einzelne Brauerei ja von den anderen abheben.

So finden sich etwa auch Weißbiere mit wahlweise Zitronen- oder – für uns Puristen wäre das ja nichts – auch Bananengeschmack in den Sortimenten.

Bei der Verköstigung sollte man in der Brauerei auf jeden Fall mal probieren

Für innen und außen: Bier kann man nicht nur trinken, sondern auch darin baden

Habt ihr euch für euren Junggesellenabschied vorgenommen, die Bandbreite der Prager Bierproduktion kennen zu lernen, dann können wir euch vor dem Hintergrund der Größe des Marktes eigentlich nur abraten.

Stattdessen wird euch nichts anderes übrig bleiben, als euch damit zu begnügen, einen ersten Einblick zu erhalten – und weitere Biererkundungstouren gegebenenfalls auf spätere Prag-Besuche zu verschieben.

Auch bei der Zusammenstellung unserer Aktivitäten, die wir euch für das Polterabend-Wochenende in Prag anbieten, mussten wir uns in Zurückhaltung üben und haben versucht, ein paar der Highlights für euch herauszupicken.

So bieten wir eine Brauerei-Tour an, bei der ihr nicht nur einiges über die tschechische Brautradition erfahrt, sondern zugleich drei verschiedene Biere testen und von eurem liebsten Bier aus diesem Trio einen ganzen Liter trinken könnt.

Bei unserem Pub Crawl bringt euch unser Guide darüber hinaus in eine Handvoll verschiedener Kneipen, in denen ihr einen etwas tieferen Einblick in die Marken- und Geschmackslandschaft erhaltet.

Beim Pub Crawl lernt ihr die Biere in Prag am besten kennen

Und falls ihr von Bier nicht genug bekommen könnt und am liebsten mal mit dem ganzen Körper in selbiges eintauchen wollt, dann könnt ihr selbst das in Prag: nämlich im Bier-Pool, in dem echtes Prager Bier schwimmt.

Ihr nehmt dabei in einem riesigen Fass Platz und könnt, während der Gerstensaft eure Haut durchdringt, sogar nebenbei noch selbst Bier trinken.

Historisch gewachsen: Vor 1000 Jahren galt Bier noch als Arznei

Solltet ihr euch bei diesem speziellen Spa-Erlebnis ein wenig wie alte Mönche fühlen, dann kommt das sicherlich nicht von ungefähr.

Tatsächlich geht die Brautradition in Tschechien – wie auch in vielen anderen Ländern – auf die Glaubensbrüder zurück, die vor mehr als 1000 Jahren damit begonnen haben, Getreide, Hopfen und manch andere Zutat zu einem vergorenen Getränk zusammenzumischen, das seinerzeit noch als Arznei galt.

Dass in dem Trunk mehr steckt als nur ein wenig heilende Kraft, haben die Mönche offenbar sehr schnell erkannt.

In einem Beitrag von Radio Prag zur Geschichte des Bieres in unserem Nachbarland wird beschrieben, wie Bier immer beliebter wurde und der Bischof zwischenzeitlich sogar verbot, es zu brauen – weil die Mönche plötzlich mehr Zeit mit ihrem Zaubertrank als mit dem Herrgott zubrachten.

Frischer Hopfen – für tolles Bier

So mancher mag sich heute darin wiedererkennen – egal ob gläubig oder nicht. Am Ende bietet die Beschäftigung mit Bier doch auch einen angenehmen Zeitvertreib, noch dazu in der tschechischen Hauptstadt, da doch die Bier-Kultur in Prag einen besonderen Ruf genießt.

Solltet ihr auf den Geschmack gekommen sein und euren Junggesellenabschied oder ein Parytwochenende in Prag planen, dann solltet ihr nur eines beachten: Verpasst auf keinen Fall das gute Prager Bier!


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